Besondere Veranstaltungs-Tipps: Tango tanzen in Frankfurt

Wir sind Engel mit nur einem Flügel und können nur fliegen wenn wir uns umarmen von Karin Emrich

Als er diese Worte schrieb dachte Luciano de Crescenzo wohl eher nicht an Tango, jenen getanzten Audruck einer Einwandererkulture jenseits des Atlantik und des Äquators. Und doch wird das Bild so manchem Tangotänzer nicht ganz unvertraut sein. Die Idee einer gemeinsamen, geteilten Achse, einem einzigen verschmelzenden Operkörper und vier Beinen, einer non-verbalen Suche nach Harmonie mit dem anderen. Viele unter uns kennen argentinischen Tango eher in der Bühnenversion: komplexe Figuren, fliegende Beine, die sich inneinander verhaken und wieder auseinanderschnellen, nach aussen getragene Erotik und Leidenschaft. Und doch hat der argentinische Tango als Gesellschaftstanz, der „Tango de Salon“, der sich auch hierzulande seit vielen Jahren wachsender Beliebtheit erfreut, eine zwischenmenschlich-gesellschaftliche Dimension die unter nicht-Tänzern oft weniger bekannt ist.

Tango ist in seinen Wurzeln kein Bühnentanz. Seine Anfänge liegen im Buenos Aires des späten 19. Jahrhundert, in dem die Einwanderer die Einheimischen an Zahl überlegen sind und die damals noch bescheidene Stadt an die Grenzen ihrer Kapazitäten bringen. Zwischen 1880 und 1910 wuchs Buenos Aires von 210,000 auf 1,2 millionen Einwohner und wurde so zu einem Schmelztigel an Kulturen, deren einzige gemeinsame Sprache oft die Musik war. Sie brachten ihre Geschichte, ihre Sehnsüchte, ihre Nostalgie nach der Heimat, ihr Bedürfnis nach menschlicher Nähe und ihre Instrumente mit – so kam auch das Bandoneon, das characteristische Instrument des Tango – einstmals mit einem Schiff aus seiner Heimat im Ruhrgebiet nach Argentinien...

In diesem 21. Jahrhundert, dessen herausragendstes Merkmal vielleicht ständige Veränderung, Unvorhersehbarkeit und auch wachsende Isolation ist, nimmt der Tango als Kommunikations- und Kontaktmöglichkeit eine interessante Stellung ein. In einer Zeit, in Staatsangehörigkeiten, Herkunftsort oder Familienbande als Grundlage unserer Identität nur noch begrenzt Wertigkeit haben, basieren Zugehörigkeiten in wachsendem Masse auf gemeinsamen Erlebnissen, Idealen, etc. Viele Tangotänzer können Geschichten erzählen von der Ankunft in einer neuen Stadt, dem Besuch der ersten Milonga (Tangotanzveranstaltung) und dem Gefühl von „Zugehörigkeit“ und „Vertrautheit“ das hier oft schneller ensteht als durch konventionelle Kommunikationskanäle, jenseits von Alters- oder Sprachgrenzen.

Tangoabende ermöglichen eine andere Art von Kennenlernen, selten fragt man, was der andere beruflich macht, es geht um Begegnung im Zeichen einer gemeinsamen Leidenschaft – des Tanzes – und der Alltag wird oft und gerne am Eingang abgegeben. Hier geht es nicht um Aufarbeitung des Tages, der Tangotänzer ist hochkonzentriert: auf die Musik, den Tanzpartner, die anderen Tänzer auf der Tanzfläche und tanzt sich im Lauf des Abends die Last des Tages von der Seele. Je natürlicher die Bewegungsabläufe mit der Zeit werden, desto meditativer wird die Tanzerfahrung. Es geht um das „hier und jetzt“ und nicht selten gehen wir nach einem schönen Tanzabend hellwach nach Hause. Tangotanzen, wenn es einen gepackt hat, wird leicht zur Gewohnheit und so hört man unter „Milongueros“ (eingefleischte Tangotänzer, die mehrmals pro Woche tanzen gehen) nicht selten: „was hab ich bloss gemacht, als ich noch nicht Tango tanzte?“

Studio Destinotango
Walter-Kolb-Strasse 5-7 (1. Stock)
60594 Frankfurt

www.destinotango.de

Der nächste Anfängerworkshop findet am 10. April 2010 von 14.40-17.30 Uhr statt.